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Apostelgeschichte 15: Errettet aus Gnade

Bibelgesprächskreis

Thema: Errettet aus Gnade,

Apostelgeschichte 15

Dortmund-Asseln, 18.11. 2012

Apostelgeschichte 15

Ein Höhepunkt in der Berichterstattung des Verfassers Lukas.

In unserem Bibelkreis sind wir inzwischen bei Apostelgeschichte 15 angekommen.

Es geht nun einen großen Schritt vorwärts in Bezug auf die Botschaft, die Paulus für die Nationen (Heiden) aufgetragen worden ist., „gerettet ohne des Gesetzes Werke“, wie er es in seinen Briefen mehr und mehr entfaltete.

Was war der Anlass? Auf seiner Missionsreise – seiner ersten – hatte Paulus erleben dürfen, wie mehr und mehr Nichtjuden zum Glauben kamen, während nur wenige Juden der Botschaft von Jesus Gehör schenkten bzw. gläubig wurden. Ja, die Juden verfolgten ihn und hetzten die nichtjüdische Bevölkerung gegen ihn auf. Das ging so weit, dass Paulus in einer Rede in Antiochia in Pisidien, wo er in der Synagoge noch einmal eindringlich zu den Juden gesprochen hatte, sie an den Weg Gottes mit Israel erinnert und sie auf den Tod Jesu und seine Auferstehung hingewiesen hatte, am Ende erklärte: „Es war notwendig, dass euch das Wort zuerst gesagt wurde, da ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig erachtet, so wenden wir uns zu den Nationen“ (Apg. 14, 46).

Der Hass gegen Paulus war sogar so groß, dass man ihn steinigte (Apg. 14). Es waren Juden, die die Volksmenge dazu aufhetzten. Man schleifte ihn zur Stadt hinaus und meinte, er wäre gestorben. Aber er stand auf! Und er ging wieder in die Stadt.

Das war in Lystra. Die Reise hatte in Antiochia in Syrien begonnen, hatte über Zypern nach Antiochia in Pisidien, der heutigen Türkei, nach Lystra, Ikonion, Derbe geführt und zurück nach Antiochia in Syrien, dem Ort des Aufbruchs einige Jahre vorher. An allen Orten waren Menschen gläubig geworden, eine beträchtliche Zahl.

Alle in der Gemeinde in Antiochia waren froh, dass so viele Menschen sich zum Glauben an Jesus Christus hatten rufen lassen.

Nun aber kamen Juden aus Judäa und lehrten: „Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden“. Den „Brauch des Mose“ finden wir u. a. in 3. Mose 12, 3 und in Joh. 7, 22 .

Um mehr darüber zu wissen müssen wir zurück zu Abraham. In 1. Mose 17 schließt Gott mit Abraham einen Bund. Er will ihn und seine Nachkommen segnen, will ihr Gott sein von Geschlecht zu Geschlecht, und das Zeichen dieses Bundes soll die Beschneidung sein. Jedes Kind, jeder kleine Knabe, wenn er 8 Tage alt ist, soll beschnitten werden bei allen ihren Nachkommen. Wenn jemand nicht beschnitten ist, soll er „ausgerottet” werden aus dem Volk, weil er den Bund gebrochen hat.

Gilt diese dem Volk Israel gegebene Verpflichtung jedoch auch für die neuen Gläubigen, die aus den „Nationen”?

Paulus, Barnabas und einige andere der Gemeinde machen sich auf den Weg nach Jerusalem. Hier war wohl für alle immer noch das Zentrum, der Sitz der geistlichen Autoritäten der an Jesus Gläubigen. Hier waren die Brüder, die die Jahre seines Auftretens mit ihm geteilt hatten, Zeugen seiner Kreuzigung und seines Auferstehungsgeschehens gewesen waren. Ihnen sollte die Frage vorgetragen werden: Müssen sich auch Nichtjuden beschneiden lassen? Und im Zusammenhang damit: Müssen sie das Israel gegebene Gesetz halten?

Es heißt, dass es eine lange Auseinandersetzung gab. Die Brüder scheinen es sich nicht leicht gemacht zu haben.

Dann nahm Petrus das Wort. Er hatte ja schon Erlebnisse in die „neue Richtung“ gehabt.

Als man ihn in das Haus des Nichtjuden Kornelius rief und er Bedenken hatte, das Haus eines solchen Menschen zu betreten, hatte ihm Gott durch eine Vision gezeigt, dass er gehen solle, dass der Weg frei sei (vgl. Apg. 10). Er hatte erlebt, dass der Heilige Geist auf Kornelius fiel, er gläubig wurde, ohne dass er vorher getauft war, während die Taufe für jeden Israeliten eine Vorbedingung war, um den Heiligen Geist zu empfangen.

Petrus hatte die befreiende Botschaft: „Was versucht ihr denn nun Gott, indem ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legen wollt, dass weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten? Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn gerettet zu werden“ (Apg. 15, Verse 10 und 11).

Auch Jakobus sprach. Er sah schon hier, was Paulus später im Brief an die Römer (Kap. 9 – 11) verkündete, dass Gott Israel beiseite stellen würde, um ein Volk – „aus den Nationen” – für seinen Namen zu gewinnen, und dass dann, wenn „die Hütte Davids“(Amos 9, 11) wieder aufgebaut sein würde, Israel seinen ursprünglichen Auftrag, „Licht für die Nationen” zu sein (Apg. 13, Vers 47), erfüllen würde. Im Millenium (Offenbarung 20, Verse 1 – 7).

Eine Einschränkung meint Jakobus machen zu müssen: Man solle sich enthalten vom Blut, vom Erstickten, von Hurerei und vom Götzendienst (Apg. 15).

Der Genuss von Blut war für Juden undenkbar. Es hätte keine Gemeinschaft geben können. Hurerei und Götzendienst allerdings sind ja wohl für jeden Christen kein Weg.

Ein Brief mit dem Ergebnis der Besprechung wurde an die Gemeinde in Antiochia gesandt. Es hieß dort: „Es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen…“.Damit war die Frage geklärt. Keine Beschneidung mehr für die Nichtjuden, keine Verpflichtung zum jüdischen Gesetz.

Paulus und Barnabas blieben weiter in Antiochia und verkündeten das Evangelium. Hier wurden übrigens die Gläubigen zuerst „Christen“ genannt (Apg.11, 26).

Wenn ich nicht mehr unter der Ordnung des Gesetzes stehe, wo finde ich meine Orientierung?

Jesus sagt Matth. 22, 39: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Gewiss eine Orientierung. So möchte Gott uns haben . Aber kann ich das? Kann ich Gott aus eigener Kraft lieben? Und meinen Nächsten, der mich vielleicht verletzt hat oder der mir vielleicht auch nur unsympathisch ist? Ist es nicht doch wieder ein Gesetz? Ja, das ist es. Jesus predigt noch Gesetz, eigenes Tun, Werke. Man denke an die Bergpredigt. Da werden Gottes Anordnungen noch verschärft: „Ich aber sage euch…“ (u.a. Matth. 5,22 )

Ein Schlüsselvers ist wohl Joh. 16, 12: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber er gekommen ist, der Geist der (göttlichen) Wahrheit und Wirklichkeit, wird er euch voll und ganz in der Wahrheit unterrichten“.

Gelehrt vom Heiligen Geist, Paulus war berufen, uns weiter zu lehren.

Wahrheit und Wirklichkeit, das ist Christus, sein Tod für die Schuld der Menschen, seine Überwindung des Todes, seine Auferstehung. Sein Geist, der seit Pfingsten Neuzeugung durch den Heiligen Geist, die Kraft neuen Lebens schenken will.

Gal. 3, 23: „Bevor der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz zusammen eingeschlossen (wie in einem Gefängnis), in Gewahrsam gehalten für den Glauben, der später geoffenbart werden sollte. So wurde das Gesetz unser Erzieher zu Christus hin, damit wir aufgrund des Glaubens gerecht gesprochen würden. Nachdem der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Erzieher. Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben“.

Glaube, das ist nicht ein Für-wahr-halten, sondern eine Lebensverbindung mit Jesus eingehen, ihm mein Leben zur Verfügung stellen, damit er mein Herr ist, damit er mich verändern kann.

Dann muss ich Liebe nicht mehr aus mir heraus erbringen, sondern darf mich auf Römer 5,5 verlassen: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in eure Herzen“. Liebe aus Gott und Liebe zu Gott.

Vielleicht dürfen dieses Beschenkt-werden manchmal sogar auch schon Kinder erfahren. Claudia und Sabine hatten sich über längere Zeit immer wieder auf hässliche Weise gestritten. Aber sie passten im Religionsunterricht sehr gut auf. Nach einiger Zeit fragte die Lehrerin: „Ihr streitet euch ja gar nicht mehr!“ Die Antwort war: „Es macht uns keinen Spaß mehr“.

Der alte Bund: Gesetz, fordert Gehorsam.

Der neue Bund: Gnade, schenkt Gehorsam.

Oder:

Das Gesetz sagt: „Tu, so wirst du leben!”

Die Gnade sagt: „Lebe, so wirst du tun!”

Ursula Riepe (Foto vom 11.10.2009)

Ursula Riepe

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http://asselner.gemeinde-inter.net/2012_11_18_bibelgespraechskreis_riepe.pdf