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Brief des Paulus an die Philipper, Kapitel 3, Vers 17 – Kapitel 4, Vers 9

Bibelgesprächskreis

Thema: Weitere Überlegungen zum Brief des Paulus an die Philipper

Kapitel 3, Vers 17 – Kapitel 4, Vers 9

Dortmund-Asseln, 17.05.2011

1. Paulus ringt um die Gemeinde

Mit Vers 17 im 3. Kapitel des Briefes an die Gemeinde in Philippi nimmt Paulus uns mit hinein in sein Ringen um die Gemeinde.

Seid miteinander meine Nachahmer, Brüder, und seht auf die, welche so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt“. (Elberf. Übersetzung)

Meine Nachahmer“ schreibt er, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass schon einige da sind, die seinem Beispiel folgen. Alle sollten sich letztlich an Paulus orientieren. Und von wem könnte man wohl mehr lernen als von Paulus, wer hat Jesus so erlebt wie er, wer hat eine so radikale Veränderung seines Lebens erfahren?

Wie ihr u n s zum Vorbild habt“, meint wahrscheinlich Timotheus, seinen treuen Begleiter, seinen Sohn nennt er ihn einmal sogar.

Wenn doch alle so mit Jesus leben würden wie er, wie Timotheus und die, die ihn schon zum Vorbild genommen haben!

Einige sind allerdings da, von denen er bekümmert, ja, sogar unter Tränen, sagt: „Ihr Gott ist ihr Bauch, sie sind irdisch gesinnt“. Sie müssen ermahnt und gewarnt werden. Es gibt Gerichte Gottes. Und was verpassen diese Menschen jetzt schon in dieser Weltzeit, welchen inneren Frieden, welche Geborgenheit? Was entgeht ihnen schon hier und jetzt?

Unser Bürgerrecht ist im Himmel“, weiß Paulus. Die „Nachahmer“, die Menschen, die Jesus Christus ihr Leben anvertraut haben und nun ganz auf ihn ausgerichtet sind, haben die Zusage, dass sie schon jetzt zur Himmelswelt gehören und somit jetzt schon den Schutz haben dürfen, der von dort ausgeht, von Gott, dem Allmächtigen.

Bürger fanden im Mittelalter innerhalb der Burgmauern Schutz, wenn Feinde kamen. Luther hat diesen Gedanken in dem Lied verarbeitet, das bis heute bei vielen Menschen bekannt ist: „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Wie gut ist es, um diesen Schutz zu wissen! Zu wissen, dass wir als Christen schon jetzt in einem bewahrten Raum leben dürfen.

2. Kräfte des neuen Lebens

Ein paar Merkmale der Nachfolge spricht Paulus konkret an. Er schreibt seinen Philippern u.a.von Wahrhaftigkeit, Reinheit, Ehrbarkeit, Liebe, Güte, und dass Streitigkeiten bzw. Unstimmigkeiten in der Gemeinde ausgeräumt werden müssen.

Wie hilfreich ist es, dass wir alles Gute nicht selbst „produzieren“ müssen! In den Briefen des Paulus taucht immer wieder auf, dass allein Jesus die Kraft zu einem veränderten Leben schenkt. Im Leben, in der Verbindung mit ihm, geschieht Umgestaltung. Wirken aus eigener Kraft führt zur Selbstgerechtigkeit. „Not struggle“ ,sagt der englische Christ, das heißt, nicht selbst strampeln, sondern sich beschenken lassen, nehmen, was Gott durch den Heiligen Geist in uns tun will.

3. Freude im Herrn

Auch in diesen letzten 4. Kapitel des Philipperbriefes ruft und ermuntert Paulus wieder zur Freude. „Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch!“

Es ist eine ganz tiefe Freude, die in ihm ist, obwohl…, ja,

obwohl er im Gefängnis sitzt, obwohl er verfolgt wurde, geschlagen, in Lebensgefahr gewesen, ja in Damaskus einmal sogar bei Nacht in einem Korb die Mauer (Stadtmauer?) hinab gelassen werden musste, um seinen Verfolgern zu entgehen.

Obwohl er auch eine schwere Krankheit hat, die er immer wieder aushalten muss, und die Gott ihm nicht nimmt, auch wenn er dreimal darum gebeten hat.

4. Sorgen abgeben

Sorget euch um nichts“ ist ein weiterer erstaunlicher Satz in dem Zusammenhang. Schon ein Grund zur Sorge wäre die Frage, ob er lebend das Gefängnis wieder verlassen wird.

In dem Satz heißt es dann weiter: „sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden“.

Wie gehen wir mit unseren Sorgen um? Mit unseren Ängsten?

Da gibt es wohl niemanden, der im persönlichen Leben oder im Blick nach „draußen“ nicht Grund zu Sorge hätte.

Wer hilft mir in meiner Krankheit? Meine Ehe ist nicht so, wie ich sie mit immer vorgestellt habe, meine Kinder machen mit Kummer. Was wird aus meiner Arbeitsstelle? Schaffe ich die nächste Prüfung?

Wird EHEC sich weiter ausbreiten?

Was wird mit den Atomkraftwerken?

Die immer wieder auftretenden Naturkatastrophen machen mir Angst!

Paulus würde uns verstehen. Und er würde uns auf Gott, auf Jesus Christus, hinweisen. Manchmal will die Not uns erdrücken. Es war wohl der bekannte Theologe Gollwitzer, der in einem seiner Bücher – sinngemäß – schrieb: „Manchmal möchte man einfach weglaufen von Gott und es bleibt nichts anderes als hinlaufen zu ihm“. In der Tat, einen anderen Weg gibt es nicht. Gott bzw. Jesus allein kann den Sturm in unserem Inneren zur Ruhe bringen und auf mancherlei Weise helfen.

Manchmal muss man allerdings auf Hilfe warten, manchmal geschieht sie anders, als wir dachten, und manchmal muss eine Not ausgehalten werden. „Das Reich muss uns doch bleiben“ endet Luthers oben erwähntes Lied. Das Reich ist Nähe Gottes und Hoffnung auf ein Leben bei Gott in kommenden Weltzeitaltern. Der Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Wir haben eine lebendige Hoffnung“. Unser Leben endet bei Christus und nicht in einer vagen Hoffnungslosigkeit.

Ursula Riepe

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http://asselner.gemeinde-inter.net/2011_05_17_bibelgespraechskreis_riepe.pdf

Predigt: „Lebensmüde“ (1. Könige 19, 3-8)

Predigt:
„Lebensmüde“
zu 1. Könige 19, Verse 3-8
Auch als Pdf-Datei zum Download:
http://asselner.gemeinde-inter.net/2009_02_08_predigt_s._stroever.pdf

Liebe Gäste, liebe Gemeinde,

die Luft ist raus“, man fühlt sich einfach nur noch schlapp und k.o., am liebsten möchte man nur noch sich hinlegen und schlafen. „Hundemüde“, einfach nur unsagbar schlapp. Nichts macht mehr Spaß, zu nichts hat man Lust und zu noch weniger kommt man noch. Kennen wir das nicht auch? Dieses Gefühl, einfach sich fallen lassen zu wollen? Bisweilen sagen wir gestresst das so einfach: „Ich kann nicht mehr…“ Doch auch das gehört zum Leben dazu, dass man an seine Grenzen kommt und der Körper und die Seele nach Ruhe und Erholung lechzt! Die Bibel verschweigt auch das nicht und beschreibt, wie der Prophet Elia genau diese Erfahrung des Am-Ende-Seins durchmacht. Ein Prophet GOTTES, der den Israeliten in einer Art Opfer-Wettstreit gezeigt hat, dass nicht der Götze Baal in der Lage ist, Feuer vom Himmel zu schicken, um das Opfer zu entzünden, sondern nur GOTT die Macht hat, das Opfer auf dem Altar zu entzünden und es damit anzunehmen. Trotz dieser großartigen Demonstration GOTTES Macht wollen viele der abtrünnigen Israeliten an dem heidnischen Brauch festhalten und trachten dem Boten Elia nach seinem Leben. Dieser kann sich noch mit äußerster Kraftanstrengung durch die Wüste schleppen, nur um sich halbtot unter einem Ginsterstrauch zu verkriechen. Wahrlich keine angenehme Situation für einen Menschen. So liegt er nun da, er ist am Ende seiner Kräfte. Der Tod scheint nur noch ein Wimpernschlag entfernt zu sein…

Dazu möchte ich den Bibeltext aus 1. Könige, Kapitel 19, die Verse 3 bis 8 lesen:

„Da er das sah, machte er sich auf und ging hin um seines Lebens willen und kam gen Beer-Seba in Juda und ließ seinen Diener daselbst. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise und kam hinein und setzte sich unter einen Wacholder und bat, dass seine Seele stürbe, und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser denn meine Väter.

Und er legte sich und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!

Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und eine Kanne mit Wasser. Und da er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum andernmal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! denn du hast einen großen Weg vor dir.

Er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb und kam daselbst in eine Höhle und blieb daselbst über Nacht.“

Soweit zum heutigen Predigttext. Haben wir gehört und mitbekommen, was da in aller Stille Großartiges passiert ist? Schauen wir noch einmal in Elias Situation: Elia liegt da völlig erschöpft am Boden, kriecht wie ein sterbendes Tier in ein Versteck und wartet auf den erlösenden Tod. Neben der körperlichen Erschöpfung kommt hinzu, dass Elia für sich gesehen hat, dass er auf ganzer Linie gescheitert ist. Damit hat er einfach nicht gerechnet, darauf war er nicht gefasst. Wieso hat GOTT ihm nicht beigestanden? Wieso hat GOTT nicht eingegriffen? Wieso hat GOTT es zugelassen, dass der Mob ihn umbringen wollte? Wie konnte es nur so weit kommen? Fragen über Fragen, auf die er längstens schon keine Antworten mehr sucht. Elia ist innerlich schon halbwegs tot, ein gebrochener Mann, ein Mensch, der nicht mehr weiter weiß. Ein Mensch, der aufgegeben und alle Hoffnungen verloren hat. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt ein Sprichwort. Wir können heute nur erahnen, was es heißt, völlig am Boden zerstört zu sein. Wir kennen allerdings auch manchmal das Gefühl, nicht mehr weiterzuwissen. Innerlich sucht man instinkthaft mit allerletzter Kraft eine Ecke, eine Nische auf, wo man sich zurückziehen kann, um sich „gehen zu lassen“, um „los zu lassen“. Gerade in der heutigen Zeit klagen recht viele über das „Burn-out-Syndrom“, ein Gefühl, innerlich wie ausgebrannt zu sein. Da scheint nicht mehr ein Funke des Lebens in einen zu stecken. Elia steckt also mittendrin, mittendrin in seiner bislang schwersten Depression. Depression heißt ja im Prinzip nichts anderes als „Niedergeschlagenheit“. Elia befindet sich im tiefsten Tief seines bisherigen Lebens: All sein Handeln, all sein Tun haben ihm im GOTTES Namen nichts als Ärger, Stress und sogar Verfolgung eingebracht. Der von GOTT bestimmte Prophet muss kläglich das Weite suchen. Was für eine Niederlage, was für ein Versagen! Isebel, die baaltreue Königin, zeigt dem GOTTESfürchtigen Mann auf, wie klein und schwach er in Wahrheit doch ist. Völlig geschafft liegt er nun da und sehnt sich nach der Todesruhe. Hilflos, verlassen, völlig entkräftet und einfach nur unglaublich müde, lebensmüde, wartet Elia auf das scheinbar Unvermeidliche: auf den Tod.

Ich habe es vorhin schon einmal angesprochen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Wieviel muss in Elia kaputtgegangen, zerbrochen und niedergeworfen worden sein, dass er sich so den Tod herbeigewünscht hat? Wer sich selbst den Tod wünscht, wird in der Gesellschaft oder in christlichen Kreisen oft schnell moralisch verurteilt. Das ist nicht erlaubt, so etwas sagt man nicht. Es ist eine Sünde, sagt man. Doch hier handelt es sich nicht um einen Menschen, der sich prinzipiell für den Freitod entscheidet, sondern wir haben es mit einem Mann zu tun, der sich in der schwierigsten Lebenskrise befindet, die er je erlebt hat: Elia ist schwer traumatisiert, er ist dermaßen aus dem Gleichgewicht, dass seine Todessehnsucht auch nur so zu deuten ist. Es ist völlig menschlich und normal, so zu reagieren, wie Elia eben reagiert hat. Und deswegen reagiert GOTT ganz anders, als man einer es vielleicht gedacht hat: GOTT straft Elia nicht, GOTT „schlägt nicht noch drauf“. GOTT hält Elia keine Moralpredigt über den Wert des Lebens. GOTT verpasst ihm keine Beruhigungsspritze oder stopft ihn mit Psychopharmaka voll. GOTT lässt ihn nicht in eine Psychiatrie einweisen oder rüttelt ihn förmlich wach, dass er etwa zur Besinnung käme. Nein, all das tut GOTT nicht. Das tun oft wir Menschen, die wir hilflos vor einem depressiven, schwer traumatisierten und durch harte Krisen geschüttelten Mitmenschen stehen und nicht wissen, wie wir reagieren sollen. Schnell haben wir gute Sprüche parat: „Ach, das wird schon wieder.“ Oder: „Schlimmer kann’s nicht mehr kommen!“ Und wundern uns, wenn der Niedergeschlagene dann erst recht einknickt. Nein, Hyperaktivität ist jetzt nicht angezeigt.
Elias Schicksal ist, wenngleich Elia auch zeitlich sehr weit von der heutigen Welt entfernt ist, immer noch fassbar. Wir können Elias Verzweiflung nachempfinden, mehr oder weniger. Elias Schicksal lässt uns auch heute nicht kalt. Jemand, der für eine gute Sache eingestanden war, hätte doch etwas Besseres verdient. Doch – und da spreche ich als Christ – lesen wir kein Märchen, keinen Mythos. Wir behandeln hier nicht irgendeinen Text, den sich Menschen vor langer Zeit bloß ausgedacht haben. Und deswegen ist diese Geschichte aus dem Alten Testament kein Fantasiegebilde, wo der Gute und Fleißige mit Gold belohnt und der Faule und Ungehorsame mit Pech überschüttet wird. Es steht auch nichts von „der Moral“ am Ende. Menschliche Wertmaßstäbe, menschliches Empfinden für Gerechtigkeit, all das spielt hier keine Rolle. Hier war eindeutig ein Mann, der GOTT gefolgt war, am Ende. Er hatte richtig und gut gehandelt und war dennoch so arm dran. Das hat nichts mit Strafe oder Gericht zu tun.
Wie so oft lässt GOTT Leid zu, lässt einen seiner GOTTESkinder auch durch tiefe Resignation, Verzweiflung und Schmerz hindurchgehen. Wer meint, wir Christen wären heute besser dran, der muss blind für die Realität sein. GOTTES Liebe verhindert das Leid nicht, begleitet uns jedoch darin. Leidende sind nicht wirklich auf sich allein gestellt, auch, wenn sie es oft meinen. GOTT zeigt uns im Leid oft durch ganz kleine Gesten und Signale, dass ER immer noch da ist und über uns wacht. Manchmal „ist weniger mehr“. GOTT erdrückt uns nicht mit SEINER Liebe, sondern findet immer wieder Möglichkeiten, uns zur rechten Zeit aufzuhelfen, weiterzuhelfen, auf den Weg ins Leben.

Schauen wir doch einfach mal richtig hin, wie GOTT es in diesem Fall macht:
„Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!
Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und eine Kanne mit Wasser. Und da er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Ist das nicht unfassbar? GOTT schickt „einfach“ nur einen Engel, der Elia bloß etwas Nahrung hinstellt und Elia sanft anstupst mit den Worten:
Steh auf und iss!“


GOTT hat also keinen lauten Rassel-Wecker hingestellt, der Elia aus den Schlaf reisst. Vorsichtig wird Elia also berührt, sodass dieser registriert, dass da etwas Essen für ihn bereitsteht. Und nachdem Elia davon zu sich genommen hat, tat er nichts anderes, als sich wieder hinzulegen. Wir merken, GOTT versorgt seinen geschwächten Elia erst einmal nur mit dem Nötigsten: Mit Nahrung. Es erschallt also kein himmlisches „Halleluja“ von Heerscharen von Engeln, kein großes Wunder geschieht, sodass wir da etwa einen sich die Augen reibenden Propheten sehen würden. Nichts dergleichen! GOTTES Handeln besteht lediglich darin, Elia mit dem vorerst Nötigsten zu versorgen, nicht mehr und nicht weniger. GOTTES Hilfe kommt also an dieser Stelle ziemlich unspektakulär daher. Wer mehr erwartet hat, den muss ich hier enttäuschen. Doch die Begebenheit geht weiter. Es bleibt also nicht bei einem schlafenden Elia stehen:
„Und der Engel des HERRN kam zum andernmal wieder und rührte ihn an und sprach: ‚Steh auf und iss! denn du hast einen großen Weg vor dir. Er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb und kam daselbst in eine Höhle und blieb daselbst über Nacht.“
Das Ganze klingt doch irgendwie relativ nüchtern. Waren vorher noch große Gefühle, die blanke Not, die Resignation und der Todeswunsch eines Gebeutelten Thema, so liest sich der soeben verlesene Bibelabschnitt mehr als spannungslos und trocken. Ein zweites Mal wird Elia angerührt, nicht etwa wachgerüttelt. Ein zweites Mal lässt GOTT ihn wissen:„Steh auf und iss!“
Diesmal erinnert GOTT seinen Propheten an dessen Auftrag:„denn du hast einen großen Weg vor dir.“
Auch hier könnte der ein oder die andere denken: „Und das war’s schon?“ Hätte GOTT ihm nicht noch viele Worte des Trostes sagen müssen? Hätte ER nicht dem armen Propheten etwas mehr auf den Weg geben müssen? Hätte GOTT ihm nicht erklären müssen, warum es so kam, wie es kam? Hätte GOTT sich nicht sogar bei Elia entschuldigen müssen? Denn schließlich hat Elia doch nur getan, was GOTT von IHM verlangt hatte. Sollte GOTT sich nicht dafür rechtfertigen müssen? Wäre es nicht nur fair gewesen, GOTT hätte Elia für seine Schmerzen fürstlich belohnt? All diese Fragen kommen einem vielleicht in den Sinn, wenn man sich das Geschehene näher anschaut.
Aber das sind unsere menschlichen Maßstäbe. Doch, wer mit GOTT zu tun hat, kann sich oft nur die Haare raufen. Wir sehen vieles anders, denken oft ganz anders, urteilen auf andere Art und empfinden auch im Moralischen ganz anders.
Wir vergessen aber oft, dass GOTT in anderen Dimensionen denkt und handelt. ER hat viel mehr im Blick als wir. ER überschaut das Ganze und weiß, warum so viel geschieht, was wir nicht begreifen. Doch wir müssen lernen, nicht alles verstehen zu wollen. Es kann nicht immer alles klar sein, es wird uns nicht immer möglich sein, einfach immer erkennen zu können, warum etwas so – und nicht anders – geschieht. Auch als Christ kommst Du, komme ich immer wieder an menschliche Grenzen. Das soll uns nicht beunruhigen, wir werden bei GOTT nicht für dumm gehalten. ER redet zu uns, offenbart sein Wesen, seine Pläne und lässt uns nicht in Unwissenheit. Doch manche Erkenntnis braucht seine Zeit, manch ein Wort verstehe ich nicht unmittelbar. Es gibt einige Dinge, die uns GOTT ganz plötzlich klarmacht, daher darf mich vertrauensvoll an GOTT wenden, wenn ich gerade nicht weiter weiß. Aber bei all SEINER Nähe zu uns ist GOTT auch ein allwissender, allmächtiger GOTT. Daher wird GOTT für uns immer auch ein Stück Überraschung bleiben, weil ER oft liebevoller, weiser und vernünftiger handelt, als wir es je könnten.
Bereits Augustinus von Hippo, der unser abendländisches Denken wie kein anderer prägte, meinte:

„Wenn du IHN verstehen würdest, wäre es nicht GOTT!“
GOTT kann man also nicht in irgendwelche Schubladen stecken, doch ER hilft uns gern beim Bau neuer Schubladen. Hören wir also noch einmal hin, was mit Elia geschieht:
„Er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb und kam daselbst in eine Höhle und blieb daselbst über Nacht.“
So einfach endet also das große Drama des Elia, könnte man meinen. Und ja, es endete tatsächlich. Was hier in ganz einfachen Worten beschrieben wird, zeigt eindeutig, mit welch liebevollen GOTT wir es zu tun haben. In der tiefsten Krise versorgt ER uns mit dem Nötigsten, ohne uns zu bedrängen. Er gibt uns die Möglichkeit, zu Kräften zu kommen und sozusagen wieder „aufzutanken“. GOTT stärkt uns, ohne, dass wir viel dafür tun müssten. Elia dankt nicht großartig, wobei ich mir sicher bin, dass er GOTT durchaus überaus dankbar war, Elia stimmt kein Lobeslied an oder rennt jubelnd davon. Elia kommt, so möchte ich es mal sagen, wieder zu seinem inneren Gleichgewicht. Elia ist wieder zu dem Elia geworden, der er vor diesem gewaltigen Stress war. Elia hat dank GOTTES Beistand wieder zu sich gefunden, er ist wieder ganz klar. GOTT ist einfach der größte Seelsorger auf Erden, auch wenn er dazu nicht unbedingt viel mehr als Wasser und Brot benötigt.
Wo gibt es solch einen GOTT? Schaut Euch doch in den vielen Kulturkreisen der Welt um. Ist der GOTT der Bibel auch da nicht einzigartig? Ich denke, ER ist es. Ich behaupte, GOTT ist auch im Alten Testament der einzige GOTT der Liebe und Fürsorge. Einen anderen GOTT könnt‘ ich mir nicht vorstellen. Ich bin daher sehr froh, dass GOTT uns auch heute noch beisteht, uns hilft, uns ganz nah ist. GOTT ist da, auch wenn es oft ganz anders ausschaut. GOTT hilft auch in vielen kleinen Dingen ganz groß. ER steht uns bei, wenn wir verzagt sind, ER schickt uns SEINE Engel in ganz unterschiedlicher Gestalt. Das kann ein Krankenbesuch bedeuten oder auch die Mitfahrgelegenheit zum nächsten Ort. GOTT findet unendlich viele Möglichkeiten, Sie, Euch, Dich und mich anzusprechen und einzuladen, IHM zu vertrauen. Und so, wie Elia wieder zu sich, zur Realität wiederfindet, und weitergehen kann, so lädt uns GOTT heute wieder ein, uns bewusst zu machen, dass wir nicht alleine sind: Für diesen Trost und Beistand, für diese Gewissheit danke ich meinem GOTT und wünsche es jedem, der hier sitzt, dieselbe Erfahrung mit GOTT zu machen.
AMEN

Surf-Tipp:

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