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Im Glauben wachsen: Bibelgesprächskreis – Thema: Erster Brief des Johannes, Kapitel 2, Vers 3 bis 14

Bibelgesprächskreis

Thema: Erster Brief des Johannes, Kapitel 2, Vers 3 bis 14

Vorüberlegung:

Der erste Brief des Apostels Johannes hat einen anderen Hintergrund als die Briefe des Apostels Paulus.

Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch“ (1,3) schreibt Johannes, während uns Paulus Dinge vermittelt, die Jesus zu seiner Zeit nicht sagen konnte (Johannes 16, 12 u. 13).

Johannes ist Augenzeuge des irdischen Lebens Jesu. Er hat Dinge mit seinem Herrn erlebt und Wahrheiten gehört, die sein Leben grundsätzlich verändert haben.

Er hat die Liebe Jesu gesehen. Jesus ist das Licht seines Lebens geworden und er hat erfahren, dass eine neue Geburt, wörtl. auch „Neuzeugung“, nötig ist, weil der natürliche Mensch Jesus nicht erkennen kann.

1. Seine Weisungen befolgen

Wenn wir seine Weisungen (Gebote) befolgen, so können wir daran erkennen, dass wir ihn erkannt haben.“ (2,3)

Nach biblischem Sprachgebrauch ist Erkennen ein tiefes inneres Wissen, eine Verbundenheit, ein Einssein, das sich im Leben auswirkt. Wer Gott erkannt hat, ist fortan auf ihn ausgerichtet. Dazu gehört, dass man seine Gebote hält, nicht nur die Gebote vom Sinai, sondern alles, was Gott auch durch seine Propheten zu Israel geredet hat.

In 1. Joh. 5, Vers 3 u. 4 haben wir eine Hilfe. „Denn darin besteht die (tätige) Gottesliebe, dass wir seine Weisungen befolgen, und seine Weisungen sind keine schwere Last“

— empfinden wir es nicht doch manchmal als Last, den schwierigen Nächsten lieben oder auch nur annehmen zu können?

Es geht weiter: „Alles, was aus Gott gezeugt und geboren ist, überwindet die Welt, und dies ist der Sieg,der die Welt besiegt hat, unser Glaube“. Dem Glaubenden schenkt Gott Liebe zum anderen.

Welt“ ist Egoismus, Unglaube, letztlich Feindschaft gegen Gott. Neuzeugung ist neue Schöpfung, steht für neue Möglichkeiten, allerdings wachstümlich.

2. Bruderliebe und das neue Gebot

In den Versen 7 – 11 spricht Johannes speziell die Bruderliebe an, womit er wohl die Liebe unter im Glauben Verbundenen, aber vielleicht auch Nächstenliebe allgemein meint, wobei er dann die vorangegangenen Verse noch einmal aufgreift.

Was war das alte Gebot, in dem nach den Worten Jesu „Gesetz und Propheten“ zusammengefasst sind? „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Matth. 22, 37 u. 39). Durch Jesus wird das alte Gebot zu einem neuen, weil es ein anderes Vorzeichen bekommt. Das Licht der Wirklichkeit Jesu kann in die dunkelsten Herzen wirken, „die Finsternis ist im Vergehen und das wahre Licht leuchtet bereits“ (Vers acht)

Das wahre Licht, wenn wir es in uns hinein wirken lassen, befähigt uns, auch den Bruder / die Schwester zu lieben.

Vielleicht muss man dazu sagen, dass wir Geduld mit uns und mit anderen haben dürfen bzw. sollen. Wir bleiben doch ständig Lernende.

Jedenfalls – wer sein Leben ohne Jesus führt, geht irgendwie in einer Finsternis und kann nicht wie Petrus in seinem ersten Brief sagen: „Wir haben eine lebendige Hoffnung.“ (1,3)

3. Wachstumsstufen im Glauben

Wer wieder geboren, neu gezeugt ist durch den Heiligen Geist, ist allemal „Kind Gottes“, und wie schon gesagt, „eine neue Kreatur“ (2. Kor. 5,17). Da ist die Zugehörigkeit zu Gott angesprochen. In den kommenden Versen geht es um Wachstumsstufen. Da kann ein Kind Gottes doch ein Vater im Glauben sein.

Im Brief an die Hebräer tadelt der Schreiber die, die „noch immer Milch zu sich nehmen statt fester Speise“. Milch sind Anfangserkenntnisse. Gott offenbart sich in seinem Wort. Je mehr wir forschen, umso mehr dürfen wir lernen und erkennen und verinnerlichen und anderen eine Hilfe sein.

Johannes unterscheidet:

Kindlein im Glauben. Sie haben die Vergebung der Sünden empfangen und sie haben Gott als den Vater erkennen dürfen. Welche Freude!

Jünglinge sind die, die schon Erfahrungen mit der Kraft Jesu gemacht haben. Sie haben Siege erleben dürfen, wie es in Kap. 5,4 heißt: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Väter „haben den erkannt, der von Anfang war“. Es geht um die Größe Gottes, seine Allmacht, seine Liebe, seine Wege mit der Schöpfung von Beginn an – und um seine Ziele.

Und die stehen ganz klar in 1. Kor. 15, 28 und im Brief an die Römer, Kap. 11,Vers 36: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit.“

Dazu muss man allerdings sagen, dass diese letzten Ziele nur Paulus offenbart worden sind. Für Johannes galt die Schau, die er uns in Offenbarung 22, 2 mitteilt, wo von Bäumen die Rede ist, deren Blätter zur Heilung der Völker dienen und damit das Werk Gottes mit der Welt noch nicht abgeschlossen  ist, aber weitergeht.

Ursula Riepe

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http://asselner.gemeinde-inter.net/2011_06_21_bibelgespraechskreis_riepe.pdf